Hersteller von Industrieelektronik versprechen Langfristigkeit. Doch wie sieht es in der Realität aus? Syslogic löst dieses Versprechen ein – und half kürzlich, ein Offshore-Schiff von 1991 wieder flottzumachen.

Die Anfrage erreichte Syslogic vor einigen Monaten von Dynetrex Solutions aus British Columbia, Kanada. Das Unternehmen ist auf den Unterhalt von Schiffselektronik spezialisiert. Alex, der zuständige Ingenieur bei Dynetrex, meldete sich wegen eines defekten Analog-Input-Moduls.
Ein Modul notabene, das vor 35 Jahren verbaut wurde. Entsprechend landete die Anfrage auf dem Tisch von Urban – und damit genau am richtigen Ort. Er arbeitet seit 37 Jahren für Syslogic und leitet heute die Entwicklung. Urban ist nicht nur Elektroingenieur mit Leib und Seele, sondern auch äusserst hilfsbereit. Er erkannte die Tragweite des Problems schnell und nahm sich der Sache mit viel persönlichem Engagement an.
Konkret ging es um die Canpac Valkyrie, ein 87 Meter langes Spezialschiff, das für Forschungszwecke sowie zur Unterstützung bei der Wartung und Verlegung von Tiefseekabeln eingesetzt wird. Die Canpac Valkyrie lief 1991 vom Stapel und wurde damals von Rolls-Royce Marine (ehemals Ulstein) in Norwegen mit Elektronik ausgerüstet. Dazu gehörte auch ein IIS-System (Industrial Interface System) von Syslogic.
Als Teil des Alarm- und Überwachungssystems ist das IIS-System mit nahezu allen kritischen Komponenten an Bord verbunden – von den Hauptmotoren, Getrieben, Kühl- und Schmiersystemen über Tanks und die elektrische Energieverteilung bis hinauf zur Brücke. Mehr als 300 Alarm- und Überwachungspunkte tragen dazu bei, die Besatzung, das Schiff und dessen Umgebung zu schützen.
Digitale Eingänge (IIS/16DI-1A) erfassen beispielsweise Meldungen wie einen hohen Bilgenwasserstand. Dabei handelt es sich um Wasser, das sich im untersten Bereich des Schiffsrumpfs sammelt, etwa durch Leckagen oder Kondensation. PT100-Eingänge (IIS/PT100-1A) überwachen unter anderem Öl- und Kühlwassertemperaturen. Analoge Eingänge (IIS/AI88-1A) verarbeiten 4–20-mA-Signale, etwa für Zylinder- und Abgastemperaturen sowie Luft- und Öldrücke.
Lassen sich defekte Komponenten eines solchen Systems nicht mehr reparieren oder ersetzen, droht im schlimmsten Fall der Austausch des gesamten Systems. Zusammen mit Zertifizierung und Inbetriebnahme kann das mehrere Hunderttausend Franken kosten und einen wochenlangen Ausfall des Schiffs bedeuten.
Das defekte IIS/AI88-1A-Modul der Canpac Valkyrie hatte Syslogic nicht mehr an Lager. Auch eine Nachproduktion war kurzfristig nicht möglich. Für Urban kein Grund, aufzugeben. Bei einer Online-Recherche stiess er auf einen auf den ersten Blick etwas ungewöhnlichen indischen Anbieter, der Elektronik aus ausgeschlachteten Schiffen anbot. Und tatsächlich – in dessen Sortiment fand sich das gesuchte Modul.
Alex nahm Urbans Tipp gerne an und bestellte das Modul auf gut Glück. Einige Wochen später wurde es nach Kanada geliefert. Und es passte. Das Problem war gelöst, die Canpac Valkyrie konnte wieder in See stechen.
Wie aussergewöhnlich das ist, zeigt ein Blick auf die gesamte Installation. Alex sagt: «Meiner Erfahrung nach sind Systeme dieses Alters normalerweise längst ersetzt oder überbrückt worden – oder so weit ausgefallen, dass sie nicht mehr betrieben werden können». Bei der Canpac Valkyrie ist das anders. Von den mehr als 33 verbauten IIS-Modulen wurden gemäss Alex in 35 Jahren lediglich zwei ersetzt. Alle anderen sind noch die Originalmodule.
Doch langlebige Hardware allein reicht nicht. Genauso wichtig ist ein Hersteller, der auch nach Jahrzehnten bereit ist, Verantwortung für seine Produkte zu übernehmen. Genau das zeigte sich in diesem Fall. Als sich Alex zunächst an den Anbieter des Gesamtsystems wandte, erhielt er keine Unterstützung. Stattdessen wurde ihm empfohlen, das komplette System zu ersetzen.
Syslogic suchte einen anderen Weg – und fand mit einem 35 Jahre alten Ersatzmodul eine pragmatische Lösung. Für uns zeigt diese Geschichte eindrücklich, was Langfristigkeit bei Industrieelektronik bedeutet. Hochwertige Produkte sorgen dafür, dass Maschinen, Fahrzeuge und Schiffe über Jahrzehnte – und damit nachhaltig betrieben werden können. Mindestens ebenso wichtig sind aber Mitarbeitende, die auch nach 35 Jahren noch über das Wissen, die Erfahrung und den Willen verfügen, eine Lösung zu finden. Genau das verstehen wir unter Langfristigkeit.